Wehrkraftzersetzung und Hochverrat

Nürnberg: Verurteilungen wegen „Wehrkraftzersetzung“ und „Hochverrat“ ..

Ludwig Eichner:
Einsteller bei Siemens-Schuckert in Nürnberg, wurde bei Kriegsbeginn denunziert. Soll laut Polizeiakte gesagt haben: „Wenn ich zum Militär einrücken muß, werde ich keine Hand rühren. Muß ich Dienst an der Front machen, werde ich zum Feind überlaufen.“
Eichner wurde verhaftet und 1939 ohne Urteil hingerichtet.

Ludwig Koch:
Mechaniker, Gewerkschaftsfunktionär, Mitglied der KPD. Wurde wegen regime- und kriegsfeindlicher Äußerungen erst zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt. Dann ordnete Himmler selbst seine Hinrichtung an. Koch wurde im Bunker des KZ Dachau ermordet.

Therese Müller:
Arbeiterin, Mitglied der Roten Hilfe. Schrieb ihrem Sohn Ernst an die Front, sie wolle ihn nicht als „Heldenmutter“ beweinen. Das legte ihr das Sondergericht Nürnberg als Versuch aus, „sein Überlaufen zu den Russen zu erreichen“, und verurteilte sie wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode. In München-Stadelheim am 25. Mai 1943 hingerichtet.

Widerstandskreis Ernst Niekisch in Nürnberg:
Stand im Kontakt zum Berliner Schriftsteller Ernst Niekisch. Verbreitete illegale Schriften gegen Hitler. Zusammen mit Niekisch wurden die Nürnberger Joseph Drexel (später Gründer der „Nürnberger Nachrichten“) und Finanzbeamter Karl Tröger vom Volksgerichtshof wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Friedrich Mehl:
Drahtzieher, Mitglied der KPD. Wurde im November 1942 wegen „Wehrkraftzersetzung“ zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt: „Wer sich freiwillig zum Militär meldet, den soll es gleich 10 Meter in den Dreck hineinhauen“.

Fritz Munkert:
Baute die illegale Arbeit der SPD in Nürnberg mit auf, Mai 1934 verhaftet und wegen „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ zu 2 1/2 Jahren verurteilt. 1943 von Arbeitskollegen wegen Kontakt zu Kriegsgefangenen denunziert und vom Volksgerichtshof Berlin wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt.

Marie Pörner:
Arbeiterin aus Stein bei Nürnberg. Vom Sondergericht Nürnberg im November 1941 wegen Verleumdung der Wehrmacht zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt, nach Strafverbüßung auf Betreiben der Gestapo weiter in Haft.

Josef-Lohneis:
Parteiloser, entschiedener Nazigegner aus Nürnberg. Wegen kriegsfeindlicher Äußerungen vom MAN-Werkschutz der Gestapo ausgeliefert. Vom Volksgerichtshof Berlin wegen „Wehrkraftzersetzung“ 1944 hingerichtet.

Ernst Walz:
Schreiner aus Nürnberg. Wurde 1935 in einem Hochverratsprozess mit 35 anderen Sozialdemokraten wegen illegaler Parteiarbeit zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt. Nahm an der Selbstbefreiung des KZ Buchenwald teil.

Max Heindl :
Handelsvertreter aus Fürth. 1943 vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt: „Hat durch Ausführungen, unsere Niederlage sei gut, weil dann der Kommunismus komme, unseren Wehrwillen zu zersetzen gesucht“.

Georg Lai:
Als Geisel für seinen Bruder Willi in „Schutzhaft“ genommen, KZ Dachau, dann in Bewährungsdivision gepresst, 1945 wegen „Meuterei“ standrechtlich erschossen.

Fritz Grasser:
Wickler aus Nürnberg, aktiv in der illegalen KPD. Im Juli 1942 vom Sondergericht wegen „staatsabträglicher Äußerungen“ zum Tode verurteilt.

Peter Dürr:
Monteurgehilfe aus Nürnberg. Im Oktober 1940 zu 10 Monaten Gefängnis wegen kriegsgegnerischer Äußerungen verurteilt.

Heinrich Buchinger:
Maschinist aus Nürnberg, Mitglied der Roten Hilfe. Im November 1940 wegen kritischer Äußerungen gegen den Krieg zu 7 Monaten Gefängnis verurteilt.

Johann Schultheis:
Bauhilfsarbeiter aus Nürnberg. Wegen kommunistischer und kritischer Äußerungen über den Krieg im November 1943 zu 6 Jahre Zuchthaus verurteilt.

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