Die Vergessenen der Geschichte – Afrodeutsche ZeitzeugInnen des Dritten Reichs

 Wochen der afrikanischen Diaspora und ihre Geschichte

Die ersten „Black History Weeks“ in Erlangen präsentieren in einer Reihe von Veranstaltungen die Geschichte und Bedeutung der afrikanischen Diaspora in Deutschland. Der Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf dem Ende des Zweiten Weltkriegs und vor allem der unmittelbaren Nachkriegszeit. Die Erfahrungen schwarzer bzw. afrikanischer Gefangener in den Konzentrationslagern werden dabei ebenso beleuchtet wie die Rolle der afroamerikanischen GIs in der BRD.

Auftaktveranstaltung am Samstag, 19.9. 2015, 18.00 Uhr 

Stadtbibliothek Erlangen, Innenhof
Die Vergessenen der Geschichte. Afrodeutsche Zeitzeugin und Zeitzeugen des Dritten Reichs

Drei Überlebende der NS-Zeit sprechen über ihre Erfahrungen im Dritten Reich und lesen aus ihren Biographien. Gert Schramm war im KZ Buchenwald und Theodor Michael in einem Arbeitslager interniert. Marie Nejar musste in rassistischen Propagandafilmen auf Anweisung von Joseph Goebbels mitspielen.

70 Jahre nach der Befreiung der Konzentrationslager in Deutschland ist es kaum bekannt, dass auch Menschen aus nicht europäischen Ländern in Konzentrationslagern inhaftiert waren. Sie stammten aus vielen Teilen der Welt, aus Asien wie auch aus Ländern Afrikas. Wie war das Leben für die Schwarzen Menschen während der NS-Herrschaft?

Moderation: Dr. Pierrette Herzberger-Fofana

Gert SchrammMarie Nejar Theodor Michael

Dienstag, 22. September 2015, 19.30 Uhr
Stadtbibliothek, Bürgersaal im 2. OG

Das Massaker an den afrikanischen Truppen in Frankreich durch die Wehrmacht im Juni 1940 und das Feldlager von Thiaroye 1. Dezember 1944 (Senegal)

Bei Kämpfen nördlich von Lyon vom 18-20. Juni 1940 nahmen die Deutsche Wehrmacht und Waffen-SS französische Soldaten gefangen. Die Afrikaner mussten sich mit erhobenen Händen an einem Feldrand aufstellen, dann wurden sie hinterrücks erschossen. 188 Soldaten wurden am 19.6.1940 von der Wehrmacht massakriert. Am 1. Dezember 1944 massakrierte die französische Regierung die rückkehrenden Kolonialtruppen, weil sie gewagt hatten, ihren zustehenden Sold zu verlangen. Das war der Dank des „Mutterlandes Frankreich“  für die Teilnahme der afrikanischen Truppen am Zweiten Weltkrieg.

Mit Dr. Pierrette Herzberger-Fofana – Stadträtin und Autorin des Buches Berlin 125 Jahre danach. Eine fast vergessene deutsch-afrikanische Geschichte.

Samstag, 26. September 2015, 19 Uhr
E-Werk-Kino,
Fuchsenwiese

Black Survivors of Holocaust
Filmdoku von M. Shewa u. D. Okuefuna, 1997, englisch, 90 Min.

Wie das Leben der schwarzen Menschen in Deutschland während der Nazi-Diktatur aussah, was sie erduldet und erlitten haben, davon wissen die meisten Deutschen wenig. Die BBC-Dokumentation „Black Survivors of the Holocaust“ bringt diese Wirklichkeit in Interviews und raren Originalfilm Dokumenten ans Licht. Der Regisseur David Okuefuna und der Produzent Moise Shewa (Afro-Wisdom Productions) haben mit einer hervorragenden Recherche ihrerseits ein Filmdokument von unschätzbarem Wert geschaffen, in dem sie für nachfolgende Generationen die Stimmen von Überlebenden und Nachkommen festgehalten haben.

Mit Katharina Oguntoye, Historikerin und Autorin. Katharina Oguntoye ist die Mitautorin und Mitherausgeberin des Buches Farbe bekennen. Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte. Sie leitet heute den interkulturellen Verein Joliba e.V. in Berlin. Frau Oguntoye steht im Anschluss an die Filmvorführung für die Beantwortung von Fragen bzw. für Diskussionen gerne zur Verfügung.

Dienstag, 29.September 2015, 19.30 Uhr
Stadtbibliothek, Bürgersaal im 2. OG

Ein Atemzug der Freiheit? Afro-amerikanische Soldaten im Nachkriegsdeutschland
Vortrag von Dr. Katharina Gerund, Amerikanistin an der  FAU Erlangen-Nürnberg

Der Vortrag skizziert Berichte afroamerikanischer Soldaten über ihre Erfahrungen im Nachkriegsdeutschland. Für sie ging es im Zweiten Weltkrieg um einen „doppelten Sieg“: gegen den Faschismus in Europa und gegen den Rassismus in den USA. Wie haben sie ihren Kriegseinsatz und ihre Zeit in Deutschland erlebt? Welche Rolle spielten diese Erfahrungen für die Bürgerrechtsbewegung in den USA? Gleichzeitig beleuchtet der Vortrag auch deutsche Reaktionen auf die schwarzen GIs und erkundet deren Bedeutung im kollektiven Gedächtnis (West-) Deutschlands.

Dienstag, 2. Oktober, 19.30 Uhr
Stadtbibliothek, Bürgersaal 
im 2. OG

Fasia Jansen (1929-1997) eine engagierte Liedermacherin und Friedensaktivistin der Nachkriegszeit

„Meine Kindheit lag in der Nazi-Zeit. Man muss wohl nicht kommentieren, was es bedeutet hat, nicht arisch zu sein, denn auch die Schwarzen fielen unter die Rassengesetze. Ich stamme aus einer einfachen Hamburger Familie. Mein Vater war der Generalkonsul von Liberia, aber den habe ich nicht wirklich kennen gelernt. Meine Mutter heiratete 1936 einen Arbeiter. Der war Sozialist, ein politisch bewusster Mensch und hat mich sehr geprägt und unterstützt…Ich wurde von den Nazis dienstverpflichtet und arbeitete in einer Barackenküche des KZs Neuengamme[…] Meine Lieder waren und sind für mich ein Mittel, mich am Leben zu halten und meine Würde als Frau, als schwarze Frau zu behaupten.“

Fasia Jansen ist Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und Trägerin der Ehrenadel der Stadt Oberhausen. Mit Dr. Pierrette Herzberger-Fofana.

Dienstag, 6. Oktober 2015, 20.15 Uhr
Ev. Studierendegemeinde ESG Hindenburgstraße 46
Namibia – 100 Jahre nach dem Ende von ‚Deutsch-Südwestafrika

Vortrag von Israel Kaunatjike, Herero Aktivist.
Es ist wenig bekannt, dass die ersten KZs im Deutsch-Südwestafrika, heute Namibia eingerichtet wurden. Die ersten Deportationen haben ebenfalls in Afrika stattgefunden. Menschen aus dem heutigen Namibia wurden nach Togo und Kamerun deportiert. Das Massaker an den Herero, einer Volksgruppe aus Namibia, gilt als der erste Völkermord in der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Mehr als 80 000 Menschen starben in der Omaheke-Wüste.

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Über den Black History Month

Jedes Jahr wird in zahlreichen Ländern der Black History Month gefeiert. Diese Tradition geht auf den Historiker Carter G. Woodson (1875-1950) zurück, der 1926 eine Veranstaltungsreihe initiierte, um in den USA auf die Schwarze Geschichte und die kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leistungen der afro-amerikanischen Bevölkerung aufmerksam zu machen..

Heute wird der Black History Month weltweit in vielen Ländern und Städten meist im Februar veranstaltet. In Deutschland wurde 1990 der erste Black History Month  von der Initiative schwarzer Menschen (ISD) in Hamburg organisiert. Der afrikanische und afrodiasporische Widerstand gegen Versklavung und Kolonialismus, gegen Segregation und Apartheid kennt unzählige Gesichter, Gedenkjahre und -tage, Geschichten, Bewegungen und Namen, die in Vergessenheit geraten sind.

 

 

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